Als erschreckend und unbegreiflich empfinde ich die Meldungen über die vielen rechtsextrem motivierten Straftaten der letzten Zeit in Erfurt.

Sei es der Überfall auf Veranstalter_innen und Besucher_innen der Ausstellung „miss painting“ im Kunsthaus Erfurt oder die Übergriffe auf eine Gruppe von Studierenden auf dem Anger – eines ist ihnen gemeinsam: stets wurden die Angriffe von rechtsextremen und menschenverachtenden Rufen und Symboliken begleitet und immer wieder war danach in der Presse zu lesen, es sei noch unklar, ob ein Bezug zur rechten Szene bestehe. Das ganze gipfelte in der Bemerkung eines Polizisten, die angegriffene Gruppe von Studierenden solle doch nicht von Nazis sprechen, dieser Ausdruck provoziere.

Das macht schon stutzig – ist das eine neue Form der political correctness, wenn man die Menschen, die andere erniedrigen und angreifen, selbst nicht verbal angreifen darf?

Zum Glück provoziert der Begriff! Kaum vorstellbar, was wäre, wenn alle diesem Begriff gleichgültig gegenüber ständen! Er soll provozieren – und zwar Engagement und ein entschlossenes Eintreten gegen Diskriminierungen. Diese Gesellschaft hat ein eklatantes Problem mit menschenverachtenden Einstellungen, die sich durch alle Bereiche des alltäglichen Lebens ziehen. Es beginnt bei Alltagsrassismen, findet Ausdruck in einer menschenunwürdigen Asylpolitik und gipfelt in der Untätigkeit und Blindheit gegenüber einer Gruppe von Nazis, die mordend durch die Republik ziehen. Gewalttätige Neonazis sind also nur die Spitze des Eisbergs. Wenn es diese Gesellschaft also noch nicht einmal schafft, gegen sie vorzugehen, wie wollen wir dann ein offenes und buntes Miteinander verwirklichen? Um effektiv Nazistrukturen zu bekämpfen, ist es aber notwendig, das Problem erst einmal auch als ein solches zu bezeichnen. Nur, wenn wir immer wieder laut sagen, dass diese Menschen Neonazis sind, dass sie rassistisch motiviert handeln, welche Ideologie hinter ihren Aussagen und Taten steht, nur dann können wir Öffentlichkeit und Sensibilität für das Problem schaffen und effektiv dagegen vorgehen.

Also nennt sie beim Namen und kämpft gegen ihre Ideologie – im Alltag, in den Behörden und in der Presse!

Please call them Nazis!

1 Kommentar
  1. Carla sagte:

    Die Handlungsweise, andere Menschen nicht verbal anzugreifen, kann man tatsächlich als „political correctness“ aufgreifen. Wer die besseren Argumente hat, muss andere Personen nicht angreifen – ob verbal oder in einer anderen Weise.
    Eine angemessene, sinnvolle Reaktion auf rechtsradikale Parolen scheint meiner Meinung nach weder eine Ignoranz noch eine reine Abfertiggung als „Nazi“ sein zu müssen.

    Die Frage ist doch viel mehr, wie man rechtradikales Verhalten einschränken kann. Und vielleicht sollte man Menschen, die bereits aggressives Verhalten zeigen aus Gründen der persönlichen Sicherheit vielleicht lieber intelligenter begegnen als mit „Ey du Nazi.“

    Antworten

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