Die EM ist vor­bei! Die deut­sche Natio­nal­mann­schaft ist wie­der nicht Euro­pa­meis­ter. Schade? Zum Glück? Ist doch eigent­lich scheiß­egal! Die Euro­pa­meis­ter­schaft hat doch schließ­lich Brü­cken gebaut und damit einen wich­ti­gen Bei­trag zum Abbau von Ras­sis­mus und Natio­na­lis­mus geleis­tet. Ein Tur­nier der Regio­nen, die sich im Fuß­ball­spie­len mes­sen und anschlie­ßend gute Gewin­ner und Ver­lie­rer sind. Zumin­dest wird dies vor jedem Fuß­ball­tur­nier so pro­pa­giert. An der Rea­li­tät geht die­ses Wunsch­den­ken jedoch weit vorbei.

Ein Klick auf Face­book genügte um fest­zu­stel­len, dass es vie­len Fans um mehr ging, als die sport­li­che Aus­ein­an­der­set­zung. Bei anti-euro­päi­scher Hetze, wie“Hey Grie­chen, ein Tor heute Abend gegen uns und wir wol­len unser Geld zurück.“, sowie bei Kriegs­rhe­to­rik a la „Wir über­rol­len ganz Europa.“ bis hin zu offen ras­sis­ti­schen Anfein­dun­gen, wie „Der scheiß Neger!“ gab es erschre­ckend viele „gefällt mir“-Klicks. Bei offe­nem Fens­ter konnte man nahezu über­all in Deutsch­land nach einem Sieg der Natio­nal­mann­schaft „Sieg-Heil“-Rufe hören.

Die ras­sis­ti­schen Angriffe rich­te­ten sich sogar gegen die ver­meint­lich eigene Mann­schaft. So gab es kein Spiel der DFB-Elf in der sich nicht 2 Minu­ten vor Spiel­an­pfiff etli­che dar­über auf­reg­ten, dass Özil, Khe­deira und Boateng nicht die Natio­nal­hymne mit­san­gen. Dass eine Nie­der­lage aber wohl kaum mit feh­len­dem natio­na­lem Sing­sang zusam­men­hängt, wird eigent­lich schon deut­lich, wenn man sich nur vor Augen hält, dass die Mann­schaft allein in die­sem Tur­nier vier Spiele gewann ohne, dass alle Spie­ler die Natio­nal­hymne san­gen. Gesun­der Men­schen­ver­stand scheint aber nicht nur bei vie­len Fans wäh­rend einem Fuß­ball­tur­nier aus­ge­schal­tet zu sein, son­dern auch bei der CDU, die nach dem Halb­fi­nale prompt eine Mit­singpflicht für Natio­nal­spie­ler forderte.

Einige Fuß­ball­fans fühl­ten sich gar ver­höhnt, ange­sichts eines nicht zu tiefst erschüt­ter­ten Tages­schau­mo­de­ra­tors namens Ingo Zam­pe­roni in der Halb­zeit­pause. Ein Mode­ra­tor der lächelt und auch noch einen ita­lie­ni­schen Vater hat schließt die Sen­dung mit dem Dante-Zitat: „Möge der bes­sere gewin­nen“. Da war für so viele das Maß voll, dass der ARD wäsche­korb­weise Pro­test­briefe erhielt. Die­ses Zitat ver­kör­pert eine EM, wie anfangs geschil­dert. Aber auch die ver­gan­gene Euro­pa­meis­ter­schaft ist die­sem Anspruch ein­mal mehr nicht gerecht geworden.

Die EM war kein Sport­wett­be­werb der Regio­nen, son­dern ein Wett­streit von Natio­nen. Doch eben Natio­nen sind es, die sich seit Jahr­hun­der­ten meist in Abgren­zung zu ande­ren Natio­nen defi­nie­ren und ihre Kon­flikte regel­mä­ßig auf dem Schlacht­feld mit der Waffe aus­ge­tra­gen haben und nicht auf dem Fuß­ball­platz mit dem Ball. Die EM hat wie­der ein­mal gezeigt, dass die Gesell­schaft die­sen Zustand noch lange nicht über­wun­den hat. Natio­na­lis­mus und Ras­sis­mus schlum­mern immer noch tief in ihrer Mitte und in allen ihren Schich­ten. Solange, wie aber Natio­nen in einem Fuß­ball­tur­nier gegen­ein­an­der antre­ten, bleibt ein fai­res respekt­vol­les Tur­nier der Regio­nen nur Wunschdenken.

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