page1image1777856

Aus­wir­kun­gen der Corona-Pan­de­mie auf die Thü­rin­ger Hochschulen:

Die letz­ten Wochen haben gezeigt, dass die Corona-Krise immense Aus­wir­kun­gen auf den Uni­ver­si­täts­all­tag und die Stu­die­ren­den hat. Die Uni­ver­si­tä­ten befin­den sich der­zeit im Not­be­trieb, Mensen und Biblio­the­ken blei­ben bis auf Wei­te­res geschlos­sen, Prak­tika und Eras­mus-Auf­ent­halte müs­sen schwe­ren Her­zens abge­bro­chen wer­den. Zu guter Letzt wurde auch der Semes­ter­start an den Thü­rin­ger Hoch­schu­len auf den 4. Mai 2020 verschoben.

Was bedeu­tet dies nun für die Studierendenschaft?

Zunächst ein­mal eins: Ungewissheit.
Die For­de­run­gen hin­sicht­lich eines Nicht­se­mes­ters, für das ca. 1500 Leh­rende in einem offe­nen Brief plä­die­ren, wer­den wei­test­ge­hend abge­lehnt. Statt­des­sen wird ver­mehrt auf die digi­tale Lehre gesetzt, die bei Wei­tem nicht so aus­ge­baut ist, wie es sich viele wün­schen. „Ist doch kein Auf­wand?“- „Anschei­nend schon. Die Digi­ta­li­sie­rung der Thü­rin­ger Hoch­schu­len ist an vie­len Stel­len noch aus­bau­fä­hig. Ein gan­zes Semes­ter inklu­sive Prü­fun­gen digi­tal abzu­hal­ten, dafür fehlt uns schlicht­weg die digi­tale Infra­struk­tur an den Hoch­schu­len“, sagt Anna­belle Neis, Lan­des­ko­or­di­na­to­rin der Juso-Hoch­schul­grup­pen Thüringen.
„Es müs­sen nun kon­struk­tive Lösun­gen für die bevor­ste­hen­den Her­aus­for­de­run­gen gefun­den wer­den. Die Vor­schläge auf Lan­des­ebene, ein Semes­ter auf kei­nen Fall aus­fal­len zu las­sen, sind eng­stir­nig, was wir jetzt brau­chen, ist viel­mehr Fle­xi­bi­li­tät in der Lehre,“ sagt Neis.

Sem­Flex? Nicht mit uns – wir for­dern ein Optionssemester!

„Wir leh­nen das von Wis­sen­schafts­mi­nis­ter Tie­fen­see vor­ge­schla­gene Sem­flex-Modell ent­schie­den ab, da die Ver­schie­bung des Semes­ters hin­ein in die Semes­ter­fe­rien mas­sive Aus­wir­kun­gen auf bereits geplante Prak­tika und Eras­mus-Auf­ent­halte hat. Zudem stellt eine Ver­schie­bung ein enor­mes Pro­blem für die Stu­di­en­fi­nan­zie­rung vie­ler Stu­die­ren­der dar, die weder jetzt noch in den Semes­ter­fe­rien einer Beschäf­ti­gung nach­ge­hen können.

Für Stu­die­rende aus finan­zi­ell schlech­ter gestell­ten Haus­hal­ten führt ein Sem­Flex – Modell ein­deu­tig zu sozia­len Nach­tei­len und ist somit kei­nes­wegs eine Alter­na­tive,“ meint Neis.

„Das Opti­ons­se­mes­ter ist in Anbe­tracht der Lage wort­wört­lich die beste Option. Es gestat­tet den Stu­die­ren­den in ihrer jewei­li­gen Situa­tion selbst ent­schei­den zu kön­nen, ob sie an den ange­bo­te­nen Ver­an­stal­tun­gen teil­neh­men und belässt ihnen somit die Wahl wie sie ihr Som­mer­se­mes­ter gestal­ten möch­ten. Außer­dem schafft es glei­che Rah­men­be­din­gun­gen, wonach Stu­die­ren­den mit nicht vor­han­de­nem Zugang zu digi­ta­len Lern­in­hal­ten kein Nach­teil ent­ste­hen wird,“ so Neis.

Im Zuge des Opti­ons­se­mes­ters for­dern wir dar­über hinaus:

  • Keine Anrech­nung des Som­mer­se­mes­ters auf die Regel­stu­di­en­zeit, denn die aus­bau­fä­hige digi­tale Lehre ist bis jetzt kein Ersatz für Prä­senz­ver­an­stal­tun­gen. Stu­die­rende dür­fen also weder aus der För­de­rung bspw. BaföG/Stipendien her­aus­fal­len noch auf­grund feh­len­der ECTS-Punkte exma­tri­ku­liert werden.
  • Prak­tika und Eras­mus-Auf­ent­halte, die auf­grund der Corona-Krise vor­zei­tig been­det wer­den müs­sen, dür­fen auf kei­nen Fall zum Nach­teil der Stu­die­ren­den wer­den und müs­sen als absol­viert aner­kannt werden.
  • Uni­ver­si­täts­bi­blio­the­ken müs­sen in Anbe­tracht ihrer Corona-beding­ten Schlie­ßung die Online-Kata­loge erwei­tern und den Stu­die­ren­den einen kos­ten­lo­sen Zugriff für die Anfer­ti­gung von Haus- oder Abschluss­ar­bei­ten gewährleisten.
  • Die Erwei­te­rung und Anpas­sung des BaföGs an die finan­zi­elle Not­si­tua­tion der Stu­die­ren­den, bei­spiels­weise durch die Ein­füh­rung von Not­kri­te­rien, die den Corona-beding­ten Ein­kom­mens­aus­fall der Eltern berücksichtigen.
  • Soli­da­ri­tät an den Hoch­schu­len und in der Wis­sen­schaft. Das Virus ist ohne die For­schung nicht zu bekämp­fen, wes­halb der aka­de­mi­schen Gemein­schaft eine immense Ver­ant­wor­tung auf­ge­tra­gen wird, der sie nur gerecht wer­den kann, wenn sie end­lich auf­hört ihren Blick nur auf sich zu rich­ten und statt­des­sen beginnt, die Gesell­schaft als Gan­zes zu sehen.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.