Vom 23.–26. März ver­brach­ten wir Jusos zusam­men mit unse­ren Freund*innen der Natur­freunde Jugend Thü­rin­gen, des Lan­des­ju­gend­werks der AWO und der DGB Jugend Thü­rin­gen vier span­nende Tage in Brüs­sel. Am Sonn­tag­mor­gen mach­ten wir uns mit ins­ge­samt 25 Teilnehmer*innen, auf Ein­la­dung von Con­stanze Krehl, MdEP,  auf den Weg in die Bel­gi­sche Haupt­stadt. Dort ange­kom­men wur­den wir sehr herz­lich von Fabian, einem Mit­ar­bei­ter aus dem Büro Krehl, begrüßt und ver­brach­ten den ers­ten Abend damit uns unter­ein­an­der bes­ser ken­nen­zu­ler­nen und aus­zu­tau­schen und erkun­de­ten schon ein­mal in locke­rer Runde das Brüs­se­ler Nachtleben. 

Nach dem Früh­stück ging es am zwei­ten Tag dann rich­tig los: Am Vor­mit­tag mach­ten wir einen alter­na­ti­ven Stadt­rund­gang, der sich vor allem an poli­ti­schen Gesichts­punk­ten ori­en­tierte und weni­ger auf die Tou­ris­ten-Attrak­tio­nen abzielte. So erfuh­ren wir viel über den Brüs­se­ler Woh­nungs­markt bzw. zu der dort zuneh­men­den Gen­tri­fi­zie­rung, was eben auch durch die gestie­gene Bedeu­tung Brüs­sels in der Euro­päi­schen Union ver­ur­sacht wird, und die dar­aus resul­tie­ren­den Fol­ge­er­schei­nun­gen, wie teure Mie­ten und  Ver­drän­gungs­ef­fekte. Aber wir lern­ten auch posi­tive Bei­spiele in Bezug auf die Inte­gra­tion vor Ort ken­nen. Es gibt z.B. ver­schie­dene Stadt­teil­bü­ros, in denen sich enga­gierte Bürger*innen regel­mä­ßig mit Migrant*innen tref­fen, um ihnen die Lan­des­spra­chen bei­zu­brin­gen, den Kin­dern bei den Haus­auf­ga­ben zu hel­fen, das Wahl­sys­tem zu erklä­ren oder auch Behör­den­pro­ble­men zu lösen. Dane­ben haben wir auch Gar­ten­pro­jekte zur gemein­schaft­li­chen Nut­zung der Anwohner*innen aus ver­schie­de­nen Ein­kom­mens­schich­ten gese­hen, die zur sozia­len Durch­mi­schung der Stadt bei­tra­gen sol­len. Im Anschluss daran besuch­ten wir das Euro­pa­vier­tel mit den wich­tigs­ten Euro­päi­schen Insti­tu­tio­nen, wie dem Euro­päi­schen Rat oder den unzäh­li­gen Gebäu­den der Euro­päi­schen Kom­mis­sion. Auch wich­tige Lob­by­grup­pen und Ver­wal­tungs­stel­len fehl­ten dabei nicht, bis wir den Rund­gang schließ­lich beim Euro­päi­schen Par­la­ment beendeten.

Nach dem Mit­tag­essen tra­fen wir uns mit Chris­tine Sud­b­rock, der Gene­ral­se­kre­tä­rin der IFM-SEI, also der inter­na­tio­na­len Fal­ken­be­we­gung, die sich ihre Büros mit der PES-SPE und den Euro­päi­schen Jusos (YES) tei­len. Im Gespräch mit ihr ging es vor allem um die Jugend­ver­bands­ar­beit auf euro­päi­scher Ebene. Dabei stan­den vor allem Fra­gen nach die jewei­li­gen Vor­gän­gen und Ver­fah­ren, bei­spiels­weise zur Akkre­di­tie­rung neuer Mit­glieds­ver­bände, im Vor­der­grund, aber auch zur Ein­fluss­nahme auf die Mit­tel­ver­gabe und auf den Gesetz­ge­bungs­pro­zess der Euro­päi­schen Union, z.B. in Bezug auf Kin­der- und Jugend­rechte. Im Anschluss stand der Besuch im Europa Par­la­ment an. Nach einer kur­zen aber sehr lau­ni­gen Ein­füh­rung in den Auf­bau und die Arbeits­weise des Euro­päi­schen Par­la­ments bzw. des­sen Zusam­men­wir­ken bei der Gesetz­ge­bung mit den bei­den ande­ren gro­ßen Insti­tu­tion, dem Rat und der Kom­mis­sion, tra­fen wir dort Con­stanze Krehl. Im Gespräch mit der säch­si­schen Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ten ging es um kon­tro­verse The­men, wie das Frei­han­dels­ab­kom­men TTIP, die zuge­spitzte Situa­tion in der Ukraine und die Jugend­ga­ran­tie der Euro­päi­schen Union. Dane­ben kamen aber auch per­sön­li­che Fra­gen zu ihrem Wer­de­gang und ihrer Arbeit im Aus­schuss der Regio­nen nicht zu kurz. Auch Fra­gen zur Mit­tel­ver­tei­lung für Thü­rin­gen, wie bei­spiels­weise die ESF und EFRE Gel­der, wurde ange­spro­chen. Danach gin­gen wir gemein­sam zum Abend­essen, wo noch­mals Zeit blieb die Dis­kus­sio­nen zu ver­tie­fen und auch die spe­zi­ellste Frage mit Con­stanze zu diskutieren.

Am drit­ten Tag tra­fen wir uns vor­mit­tags mit Malte Lin­den­thal, dem Refe­rent für Sozialpolitik/Europa der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft der freien Wohl­fahrts­pflege (BAGFW) und Anne Wagen­führ, der Euro­pa­re­fe­ren­tin des Deut­schen Cari­tas­ver­ban­des (DCV). Dort ging es vor allem um die Lobby- und Ver­bands­ar­beit in Brüs­sel gene­rell und im spe­zi­el­len um die der Wohl­fahrts­ver­bände. Dabei stan­den wie­der Fra­gen nach Ver­gabe und Anwen­dung der Mit­tel im Vor­der­grund, aber auch zur Zusam­men­ar­beit der natio­na­len und der euro­päi­schen Ver­tre­tun­gen der Ver­bände. Nach dem Mit­tag­essen tra­fen wir uns mit Frie­de­rike Kamm, einer Refe­ren­tin der FES Brüs­sel. Mit ihr spra­chen wir über Migra­tion und bür­ger­li­che Frei­hei­ten bzw. Grund­rechte. Die Euro­päi­sche Außen­po­li­tik und der Reform­be­darf bzw. die Abschaf­fung von Fron­tex waren dabei wich­tige The­men, aber auch der Umgang mit Flücht­lin­gen inner­halb der Euro­päi­schen Union und der Nut­zen von Ver­tei­lungs­schlüs­seln anstelle der restrik­ti­ven Dub­lin-Ver­ord­nun­gen wur­den dis­ku­tiert. Ein letz­tes Thema bil­dete auch die Frei­zü­gig­keit inner­halb der EU. Im Anschluss daran ver­lie­ßen wir das Par­la­ments­ge­bäude und mach­ten uns nach einer kur­zen Kaf­fee­pause auf den Weg zu den Ver­bin­dungs­bü­ros des Deut­schen Gewerk­schafts­bun­des. Dort ange­kom­men spra­chen wir mit dem Andreas Bro­de­mer, einem poli­ti­schen Refe­ren­ten des DGB, über Jugend­be­schäf­ti­gung und Jugend­ar­beits­lo­sig­keit in Europa. Dabei ging es um die Ein­fluss­nahme der Gewerk­schaf­ten auf die Beschlüsse der EU und die Maß­nah­men um die dras­ti­sche Jugend­ar­beits­lo­sig­keit der Mit­glieds­saa­ten zu bekämp­fen und mög­lichst viele Jugend­li­che wie­der in gute Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nisse zu brin­gen. Nach gemein­sa­men obli­ga­to­ri­schen Frit­ten­es­sen und dem Abschied von unse­rem Beglei­ter Fabian endete auch unser letz­ter Pro­gramm­tag. Am Abend brach­ten wir noch einige Lebens­mit­tel­spen­den zu einer Kir­che, in die sich viele afgha­ni­sche Asyl­su­chende unter schlim­men Umstän­den geflüch­tet haben, und konn­ten auch mit ihnen in den Dia­log tre­ten, was eine sehr inter­es­sante Begeg­nung auf die­ser Reise ausmachte.

Am nächs­ten Mor­gen ging es dann mit dem Bus zurück nach Erfurt. Alles in allem war es eine sehr schöne, gelun­gen und außer­or­dent­lich inter­es­sante Fahrt. Wir haben vie­les über die Funk­ti­ons­weise der Euro­päi­schen Union erfah­ren und auch die Not­wen­dig­keit der Zusam­men­ar­beit in der Pra­xis ken­nen­ge­lernt. Natür­lich kamen auch der Spaß und der Aus­tausch zwi­schen unse­ren Ver­bän­den nicht zu kurz, sodass wir auf vier unver­gess­li­che Tage in Brüs­sel zurück­bli­cken kön­nen. #WeA­re­Eur­o­peBaby

 

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