„Domplatz 1“ heißt die Interviewreihe der Thüringer Allgemeine, in der Prominente Fragen, zu unterschiedlichsten Themen, beantworten. Interviewpartner am 21.05. war der Kabarettist Uwe Steimle. „Ich sage, Satire darf natürlich alles, aber nicht alles ist Satire. Beleidigungen unter der Gürtellinie sind nur peinlich. Aber jeder stellt sich selber sein geistiges Zeugnis aus.“ sagte Steimle, der vor allem MDR Zuschauern bekannt sein dürfte, zum Böhmermannschen Schmähgedicht. Nichts Besonderes! Viele Menschen haben sich, in den letzten Wochen, inflationär zu der Thematik in irgendeiner Weise positioniert und geäußert. Aber auch der Rest des Interviews gibt wenig Gehaltvolles her. Ein Lob für das Bundesland Thüringen, Promo fürs neue Programm und die eigene Fernsehsendung, politische Allgemeinplätze sowie die für Steimle typischen Aussagen zur DDR-Geschichte à la „Es war doch nicht alles schlecht“. Soweit so langweilig. Wäre da nicht das Foto, welches die TA von ihrem Interviewpartner abgedruckt hat.

Es zeigt Steimle vor einem Bücherregal. Die Hand zum unterstreichen einer Aussage auf die Brust gelegt. Doch was diese Hand verdeckt macht stutzig. Ein schwarzes T-Shirt auf denen Teile der US-Fahne, in Form eines Länderumrisses, und das Wort „home“ mit Ausrufezeichen zu erahnen sind. Könnte das etwa heißen? Das kurze Bemühen einer Suchmaschine bringt Gewissheit. Der Kabarettist trägt ein Shirt des rechten Magazins Compact. Darauf zu sehen ist der Umriss der deutschen Ländergrenzen, ausgefüllt mit Stars and Stripes. Darüber die Parole „Ami go home!“. Das Shirt eines Magazins, welches neben der Verbreitung von kruden Verschwörungstheorien, Antisemitismus und Antiamerikanismus, auch schon mal Frauke Petry als Kanzlerin fordert und dessen Chefredakteur, Jürgen Elsässer,als Redner beim rechtsextremen Legida Bündnis auftrat. Der beliebte sächsische Kabarettist, Leser eines rechten Hetzblattes? Auch die Aussage des T-Shirt Motives ist unmissverständlich. Deutschland, ein besetztes Land, fremdgesteuert von den USA. Kurz gesagt: „Besatzer raus“, wie es in der extremen Rechten heißt.

Alles Spekulation, könnte der Ein oder Andere jetzt sagen. Doch fiel Uwe Steimle auch schon vorher durch kontroverse Äußerungen auf. „Wieso zetteln die Amerikaner und Israelis Kriege an und wir Deutsche dürfen den Scheiß bezahlen?“, diese Frage stellte der Kabarettist Uwe Steimle im Mai 2015 in der Sendung „Mitternachtsspitzen“ im WDR. Für ihn scheint an allem Übel der Welt Israel und die USA Schuld zu ein. Wobei Israel wohl als eine salonfähige Umschreibung für „die Juden“ gesehen werden kann, für den „wir Deutsche“ zu zahlen haben. Dies geschieht wahrscheinlich aus schlechtem Gewissen der Shoah wegen. So interpretierte es jedenfalls der Journalist Jan-Philipp Hein in seinem Artikel “Fernsehkabarett – Da wo der Antisemitismus blüht“. Steimle wird solche Vorwürfe er sei latent antisemitisch und antiamerikanisch wohl empört zurückweisen, doch die Indizien wiegen schwer. „Jeder stellt sich selber sein geistiges Zeugnis aus“, sagte Uwe Steimle im Interview. Selbstverständlich gilt das auch für ihn selbst.