von Antonia Hemberger

Vom 9. bis zum 14. Juli fand in Rota, im Süden von Spanien, das YES-Summercamp 2018 statt. YES steht für Young European Socialists und ist die europäische Dachorganisation, die sozialdemokratische und sozialistische Jugendverbände vereint. Gleichzeitig ist YES die Jugendorganisation der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE). Im Abstand von zwei Jahren veranstaltet YES ein großes Sommercamp, in dem junge Menschen aus ganz Europa und darüber hinaus, zusammenkommen, um sich miteinander auszutauschen und die internationalen Verbindungen zu stärken. Internationalismus ist ein wichtiger Bestandteil unseres Verbandes und unserer Jugendbewegung und deshalb sind die YES-Summercamps eine großartige Gelegenheit, um diesen internationalistischen Geist unmittelbar zu erleben. Aus Deutschland reisten dafür Genoss*innen von uns Jusos und von der Sozialistischen Jugend- Die Falken an. Aus Thüringen wiederum waren dieses Jahr Michael, Patrick, Thomas und Antonia dabei.

Das Motto des Camps lautete diesmal „(Re)Generation Socialism“, denn für unsere europäischen Schwesterorganisationen und uns Jusos stellt sich die Frage, wie die Zukunft unserer sozialistischen Bewegung aussieht oder besser, wie sie unserer Meinung nach aussehen soll. Um dieser Frage nachzugehen, trafen sich in Rota rund 900 junge Sozialist*innen aus 40 verschiedenen Organisationen. Jeden Tag fanden viele verschiedene Workshops, Diskussionen und andere Aktivitäten statt. Natürlich ging es beim Sommercamp aber auch darum den Sommer zu genießen und in einer entspannten und lockeren Atmosphäre Kontakte mit den Genoss*innen von anderen Organisationen zu knüpfen.

Die Gastgeber*innen des diesjährigen Camps waren unsere spanischen Genoss*innen von den Juventudes Socialistas, die uns an die Küste Andalusiens in die kleine Stadt Rota einluden. Die Location des Sommercamps war das Gelände eines Sportzentrums in Rota, das direkt gegenüber vom Strand lag. Dort gab es verschiedene kleine Häuser in denen die Workshops stattfanden und in der Mitte eine große Fläche mit Pavillons, die ebenso als Workshop-Location dienten, außerdem fanden auf dem Platz abends die gemeinsamen Partys statt. Untergebracht waren wir Teilnehmer*innen in einer Turnhalle, in der für alle ein Platz in einem Doppelstockbett vorbereitet wurde. Auf einen Moment der Ungläubigkeit und des Entsetzens beim erstmaligen Betreten der Halle folgte dann aber bei vielen die Überzeugung, dass es sich um ein Sommercamp handelt und wenn wir ehrlich sind: eine sozialistische Weltrevolution wird wohl kaum aus einem Hilton-Hotelzimmer heraus geplant. Nichtsdestotrotz waren die sanitären und kulinarischen Bedingungen im Camp – bei aller Liebe für Pommes und Cola – eine gewisse Herausforderung. Wie dem auch sei, das Herzstück eines YES-Summercamps sind weder Speisekarte, noch Matratzenstärke, sondern die Aktivitäten, die während dieser Woche stattfinden.


Das Camp startete am Montag sehr locker, da alle Teilnehmer*innen nach und nach erst einmal ankamen und sich registrierten. Nach einem ersten Ausflug zum Strand, fand dann abends ein gemeinsames Essen statt, welches Gelegenheit bot einige Genoss*innen wiederzutreffen und wiederum Andere neu kennenzulernen. Das tatsächliche Programm ging dann am nächsten Tag, nach einem Treffen der Juso-Delegation aus Deutschland, mit der ersten Workshop-Phase los. Die Workshops, die täglich zur Auswahl standen, umfassten ein breites Spektrum an Themen, sodass für jede*n etwas dabei war. Es gab Workshops zur Zukunft der Wirtschaft, über die Möglichkeiten, die Soziale Medien für eine politische Bewegung bieten, bis hin zu Themen wie Sexismus in der Politik oder Städte der Zukunft. Oftmals hatten die Workshops das Format von Podiums- oder Fishbowldiskussionen, aber boten zum Teil auch die Chance aktiv Ideen zu entwickeln und sich dann über diese mit den Teilnehmer*innen des Workshops auszutauschen. Da im nächsten Jahr die Europawahl vor der Tür steht, waren viele Workshops auch im Hinblick darauf ausgerichtet, wie wir diese Wahl bestreiten wollen. Dabei wurde deutlich, dass wir als junge europäische Sozialist*innen nicht nur von den Vertreter*innen im Parlament angehört werden möchten, sondern auch eine größere Repräsentation junger Menschen im Europaparlament fordern. Pro Tag gab es jeweils zwei Workshop-Blöcke, einen am Vormittag und einen am späten Nachmittag. Dazwischen war immer eine lange Mittagspause eingeplant, die zum Essen, Ausruhen, und Baden genutzt werden konnte. Abends war außerdem stets eine Party im Angebot mit Musik und dem ein oder anderen Kaltgetränk. Highlights waren außerdem das Singen von Arbeiter*innenliedern am Mittwochabend, bei dem lauthals Klassiker wie „Bella Ciao“ oder die Internationale in diversen Sprachen und Tonlagen gesungen wurden und die Snacknight am Freitagabend zu der die europäischen Genoss*innen regionale Köstlichkeiten, sowie Info- und Merch-Produkte ihrer Organisationen mitgebracht hatten.

Ein weiteres Highlight des Camps waren die bilateralen Delegationstreffen. Das sind Treffen in denen sich zwei (oder auch mehr) Delegationen zusammensetzen und über bestimmte Themen sprechen. Solche Delegationstreffen fanden zum Beispiel zwischen den Jusos Deutschland, der Sozialistischen Jugend Österreichs und den Schweizer Jusos statt, aber auch mit den Genoss*innen aus Großbritannien oder Spanien. Darüber hinaus trafen sich die Jusos Thüringen mit Genoss*innen von den Jonge Socialisten aus den Niederlanden. Bei Delegationstreffen bietet sich die Gelegenheit persönlich von Genoss*innen anderer Organisationen geschildert zu bekommen, welche Erfolge oder Herausforderungen sie aktuell vor Ort erleben und welche Antworten zum Beispiel auf das Thema Flucht und Migration von den verschiedenen Regierungen der Länder vorgeschlagen werden. Dieses Thema war während des ganzen Sommercamps sehr präsent, da viele Genoss*innen mit Sorge sehen, wie das Recht auf Asyl immer weiter ausgehöhlt wird und Europa eine Politik der Abschottung betreibt. Umso einzigartiger sind die Umstände unserer spanischen Genoss*innen gewesen, die seit Kurzem eine sozialistische Regierung haben, die erst vor einigen Wochen für Aufsehen in Europa sorgte, als sie sich bereiterklärte das Rettungsschiff Aquarius an ihrem Hafen anlegen zu lassen. Die sozialistische Bewegung befindet sich, so wurde es im Verlaufs des Camps ersichtlich, in den Regionen Europas in verschiedenen Positionen. Die britischen und spanischen Genoss*innen können zurzeit vergleichsweise optimistisch auf die nächsten Wahlen schauen, während wir Jusos, aber auch viele andere Organisationen zurzeit eine Krise der Sozialdemokratie erleben. Darüber, wie die Antworten auf die aktuellen globalen und europäischen Herausforderungen aussehen, gehen die Meinungen innerhalb der YES-Mitgliedsorganisationen zum Teil auseinander. Das ist damit zu begründen, dass es durchaus unterschiedliche Utopien des Ziels unserer Bewegung gibt. So wie es innerhalb der Jusos verschiedene Strömungen gibt, so gibt es innerhalb von YES verschiedene Positionen im Bezug auf das Verhältnis zwischen Sozialdemokratie und demokratischem Sozialismus. Aus diesem Grund sind die YES-Summercamps eine wichtige Veranstaltung. Sie bieten einen Raum in dem um Positionen gerungen wird und sich auf gemeinsame Ziele verständigt werden kann.

Rückblickend lässt sich das diesjährige Sommercamp gar nicht mit einem einzigen Adjektiv beschreiben. Es war mal sonniger, mal kälter, mal lauter, mal leiser, mal ernst und mal ausgelassen. Fest steht, dass wir wohl als andere Personen am Montag angereist sind, als wir am Samstag wieder abreisten. Es ist eine Woche gewesen, die neue Sichtweisen eröffnet hat, die der Beginn von zahlreichen neuen Freund*innenschaften war und an deren Ende wir mit unvergesslichen Erinnerungen an das YES-Summercamp 2018 nach Hause fahren.

(Falls ihr mehr darüber erfahren wollt, was genau YES ist und was sie so machen, schaut doch mal unter diesem Link vorbei: http://www.youngsocialists.eu/ )