450-nzzsexismusDa war vor kurzem ein Lichtlein aufgegangen: Im Zeitalter des Sexismus hat sich eine Journalistin mutig genug gefühlt, um über die Sprüche zu schreiben, die sie sich von einem hochrangigen Politiker anhören musste und die für viele Frauen zum Alltag gehören. Sie offenbarte der Welt den „Dirndl-Spruch“ Brüderles und stieß eine deutschlandweite Sexismus-Debatte an. Der Stern mit seinem Artikel „Herrenwitz“ und die Internetaktivistinnen Nicole von Horst, Anne Wizorek und Kathy Meßmer mit dem Hashtag #aufschrei haben eine mediale Bewegung ausgelöst.

So weit so gut. Die Debatte über Bilder von nackten Frauen mit schlanken Körpern, wenig oder gar nicht verdeckten Brüsten schien ein großer Fortschritt zu sein. Dass die mediale Aufmerksamkeit noch lange keine große gesellschaftliche Veränderung mit sich gebracht hat, ist vielen inzwischen klargeworden. Doch nun, nach einem halben Jahr müssen wir (beinahe resigniert und leider nicht erschreckt) feststellen: Sexist*innen bleiben Sexist*innen und nutzen weiterhin die Nacktheit einer Frau, um Aufsehen zu erregen, die Entblößung der Frau gilt wie gewohnt als Verkaufsschlager und die Aufschrei-Debatte scheint in Thüringen gar nicht angekommen zu sein.

Die Online-Zeitung NNZ (Neue Nordhäuser Zeitung) macht in einem Anzeigenblatt Werbung mit halbverdeckten Brüsten einer Frau und dem darunter prangernden Spruch: „ Kommt schneller als die Alte, ist besser gebaut und macht, was man ihr sagt.”. Als die Gelichstellungsbeauftragte der Stadt Nordhausen, Stefani Müller, das Onlinemedium kritisiert, wird ihr geantwortet, dass sie diese Werbung mit Humor betrachten soll.

Wir sagen aber klar: Humor ist, wenn alle darüber lachen können – und nicht nur Menschen, die selber von Sexismus nicht betroffen sind!

Die NNZ reproduziert genau das, was Brüderle mit seinem „Dirndl-Spruch“ zur Schau gestellt hat. Sexismus ist diskriminierend und beleidigend. Frauen werden dabei auf ein (Sex-)Objekt reduziert und sollen sich dem Mann unterwerfen. Der Werbeslogan der NNZ suggeriert, Frauen seien beliebig austauschbar, ihr Körperbau sei ihre wichtigste Eigenschaft und ihre einzige Funktion bestehe darin, dem Mann zur Verfügung zu stehen – vor allem sexuell.
„Tut alles, was man ihr sagt“ – geht’s noch? Lieber Herr Chefredakteur Greiner, kommen sie mal aus Ihrem Büro raus an die frische Luft – denn draußen leben die Menschen im 21. Jahrhundert.

Nicht umsonst haben Menschen für die Gleichstellung der Geschlechter gekämpft. Doch man sieht an diesem Beispiel deutlich: Der Kampf für Gleichstellung und gegen den alltäglichen Sexismus ist noch nicht beendet. Auch wenn wir wütend sind, dass wir im Jahre 2013 immer noch darauf hinweisen müssen.