Jusos Thü­rin­gen bei der EUDem Inter­na­tio­na­len Som­mer­schule 2017
von Sarah George, stellv. Lan­des­vor­sit­zende der Jusos Thüringen

Am Wochen­ende waren Anto­nia aus Jena, Maxi­mi­lian aus dem Ilm-Kreis und ich bei der „EUDem“ Inter­na­tio­na­len Som­mer­schule, orga­ni­siert von der PES in Flo­renz. Dort haben wir uns mit unse­ren Genoss*innen aus Groß­bri­ta­nien und Ita­lien zum Thema „ein neues sozia­les Europa auf­bauen“ getrof­fen. In meh­re­ren Panels haben wir unter ande­rem über die Euro­päi­sie­rung der Wohl­fahrt und sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Stra­te­gien für soziale Inves­ti­ven in Europa gesprochen.

Ein zen­tra­ler Punkt, bei dem wir wäh­rend der Dis­kus­si­ons­run­den immer wie­der gelan­det sind, war der demo­gra­phi­sche Wan­del in ganz Europa und wel­che Fol­gen das spe­zi­ell für junge Men­schen hat.

Beson­ders der Bevöl­ke­rungs­rück­gang und die Alte­rung der Bevöl­ke­rung zie­hen dabei schwere Fol­gen, wie eine Schief­lage im Genera­tio­nen­ver­trag oder Fach­kräf­te­man­gel, nach sich. Die aktu­elle Gebur­ten­rate in Ita­lien liegt bei­spiels­weise nur noch bei 1,37* (1980 ver­gleichs­weise noch bei 1,64).

Die Gründe, warum junge Men­schen immer weni­ger Kin­der bekom­men sind viel­schich­tig. Die Euro­päi­sche Union hält in ihrer Stra­te­gie zur Bewäl­ti­gung der demo­gra­phi­schen Her­aus­for­de­run­gen Punkte, wie die Beför­de­rung der Beschäf­ti­gung, Stei­ge­rung der Pro­duk­ti­vi­tät durch Inves­ti­tion in Bil­dung und For­schung oder die Auf­nahme und Inte­gra­tion von Migrant*innen in Europa, fest. Alles wich­tige Ansätze, wor­auf ich an die­ser Stelle jedoch beson­ders auf­merk­sam machen möchte, ist die Ungleich­be­hand­lung von Frauen* und Män­nern* und wie das mit dem demo­gra­phi­schen Wan­del in Europa zusammenhängt.

Zum einen wäre da die schlecht aus­ge­baute soziale Infra­struk­tur. Öffent­li­che Dienst­leis­tun­gen, wie Kin­der­gär­ten oder Schu­len, müs­sen immer mehr pri­vat finan­ziert wer­den. Die staat­li­che Kos­ten­sen­kungs­po­li­tik in die­sen Berei­chen trägt inso­fern zur poli­tisch-öko­no­mi­schen Krise sozia­ler Repro­duk­tion bei, da die Ver­ant­wor­tung für Für­sor­ge­ar­bei­ten über­wie­gend von Frauen* getra­gen wer­den, oft mit der Argu­men­ta­tion, dass sie es bes­ser kön­nen und diese Tätig­kei­ten in ihrer Natur lie­gen. Wenn der Kin­der­gar­ten­platz also noch ein Jahr war­ten muss, ist es meist die Frau*, die wei­ter zu Hause bleibt und sich um das Kind kümmert.

Im Gegen­satz dazu steht die, von der Euro­päi­schen Union for­ciere Arbeits­markt­po­li­tik des Adult-Worker-Model, mit wel­cher eine Voll­be­schäf­ti­gung für alle Erwach­se­nen glei­cher­ma­ßen ange­strebt wer­den soll. Die Pro­duk­ti­ons­ar­beit und die zusätz­li­che Ver­ant­wor­tung für Repro­duk­ti­ons­ar­beit stel­len somit eine Dop­pel­be­las­tung für Frauen* dar und geben eher weni­ger das Gefühl, noch Zeit Muße für Kin­der zu haben.

Ein wei­ter Punkt ist die struk­tu­relle Ungleich­be­hand­lung von Frauen* auf dem Arbeits­markt. Frauen* ver­die­nen nicht nur weni­ger (21% in Deutsch­land), son­dern arbei­ten ten­den­zi­ell eher in pre­kä­ren und schlecht bezahl­ten Arbeits­ver­hält­nis­sen. Finan­zi­elle Unab­hän­gig­keit ist, gerade weil staat­li­che Unter­stüt­zung oft fehlt, eine wich­tige Vor­aus­set­zung für den Kinderwunsch.

Um sich mit dem demo­gra­phi­schen Wan­del nach­hal­tig aus­ein­an­der­zu­set­zen, benö­tigt es mehr als nur über die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf nach­zu­den­ken. Tra­di­tio­nelle Rol­len­auf­tei­lun­gen und geschlechts­hier­ar­chi­sche Arbeits­tei­lun­gen inner­halb die­ser Berei­che müs­sen end­lich über­dacht wer­den. Gleich­be­rech­ti­gung muss die Grund­vor­aus­set­zung für ein „neues sozia­les Europa“ sein!

*durch­schnitt­li­che Anzahl der Geburten/ Frau*

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