Wir haben das Glück in einer Welt auf­zu­wach­sen, die trotz aller Kon­flikte fried­li­cher ist als jemals zuvor, eine Welt, die trotz aller sozia­len Ungleich­hei­ten mehr Men­schen Teil­habe an Wohl­stand ermög­licht und in der zum ers­ten Mal ein gemein­sa­mes Europa der Soli­da­ri­tät und der Frei­heit an die Stelle von Miss­gunst und Völ­kerneid getre­ten ist.

Es waren vor allem junge Men­schen, die in den 1968ern den Mut hat­ten für eine andere Welt zu kämp­fen. Dazu zählte die längst fäl­lige Auf­ar­bei­tung der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­gan­gen­heit, die Öff­nung und Demo­kra­ti­sie­rung des Bil­dungs­sys­tems sowie beson­ders die Annä­he­rung an den Osten, einer der wich­tigs­ten Schritte zu einem geein­ten Europa. Heute sind es wie­der vor allem junge Men­schen, die sich gegen Frem­den­feind­lich­keit und Ras­sis­mus stark machen. Es sind junge Men­schen, die trotz popu­lis­ti­schen Dau­er­feuer an ihren Idea­len und Wer­ten fest­hal­ten. Es sind junge Men­schen, denen der Bre­xit die Zukunft raubt. Schon immer waren es junge Men­schen, die in inter­na­tio­na­len Aus­tausch­pro­gram­men inter­kul­tu­relle Erfah­run­gen sam­mel­ten und die damit den Grund­stein leg­ten für inter­na­tio­nale Ver­stän­di­gung. Lange vor einer tat­säch­li­chen deutsch-israe­li­schen Freund­schaft haben sich junge Israe­lis und junge Deut­sche gemein­sam für Ver­söh­nung stark gemacht.

 Wir alle, von jung bis alt, pro­fi­tie­ren heute von der Rei­se­frei­heit und einer ver­stärk­ten Zusam­men­ar­beit von Staa­ten. Die Euro­päi­sche Union hat mit der Idee eines Staa­ten­ver­bun­des und der Abgabe von Sou­ve­rä­ni­täts­rech­ten eine Frie­dens­idee ent­wi­ckelt. Junge Poli­tik ist der Schlüs­sel zu einer freien, soli­da­ri­schen und gerech­ten Welt. Junge Poli­tik ist die Poli­tik der Zukunft. Lei­der sind heute, bei­nahe 50 Jahre spä­ter, die For­de­run­gen der 1968er noch immer nicht erfüllt: In den Par­la­men­ten, Par­teien und poli­ti­schen Struk­tu­ren domi­nie­ren noch immer alte weiße Män­ner. Noch immer müs­sen junge Men­schen deren Poli­tik akzep­tie­ren, obwohl wir es sind, die mit den Fol­gen der heu­ti­gen Ent­schei­dun­gen leben müs­sen. Wir sind vom undurch­läs­si­gen poli­ti­schen Sys­tem ent­täuscht. Die Wahl­be­tei­li­gung sinkt. Als poli­ti­sche Jugend­or­ga­ni­sa­tion haben wir es zuneh­mend schwer, junge Men­schen zu moti­vie­ren für ihre Visio­nen zu strei­ten. Das mag bequem sein für die, die Visio­näre zum Arzt schi­cken wol­len. Doch Bequem­lich­keit ist der Sarg­na­gel der Demo­kra­tie. Auf dem Spiel steht nicht weni­ger als die Zukunft unse­rer soli­da­ri­schen Gesell­schaft. Junge Poli­tik beschränkt sich nicht auf Bil­dungs­po­li­tik oder die Ein­rich­tung eines Skate­parks vor Ort. Wir wol­len rich­tige Mit­spra­che. Ob es um Außen­po­li­tik oder um das Schwimm­bad in der Kom­mune geht, um Wirt­schafts­po­li­tik oder die Gebiets­re­form: Wir wol­len gleich­be­rech­tigt an allen The­men teil­ha­ben und auf Augen­höhe mit diskutieren.

Bis heute sind junge Men­schen schlecht in poli­ti­sche Ent­schei­dungs­pro­zesse ein­ge­bun­den. Der Gemein­de­rat, der Kreis­tag, der Land­tag und der Bun­des­tag blei­ben struk­tu­rell den Jugend­li­chen ver­schlos­sen. Nur 8 von 193 SPD Mit­glie­dern im Bun­des­tag sind unter 35 Jah­ren. Noch immer gibt es keine*n Staatssekretär*in für Jugend. Das muss sich ändern! Die SPD hat es lange Zeit ver­säumt, junge Men­schen zu för­dern und auf­zu­bauen. Des­halb ist es umso wich­ti­ger, genau dar­auf den Fokus der Par­tei­ar­beit zu rich­ten, am Wochen­ende haben bei­spiels­weise die Jusos Bay­ern gefor­dert, unsere Bun­des­vor­sit­zende,  Johanna Ueker­mann, einen der ers­ten 5 Plätze der Bun­des­tags­liste zuzu­wei­sen. Das ist ein gutes Bei­spiel dafür, wie die SPD mehr die Jugend ein­be­zie­hen kann – in dem sie enga­gierte, junge Men­schen für Ihre Gesell­schafts­ent­würfe in den Par­la­men­ten ein­setz­ten und kämp­fen lässt.

 Es ist Zeit für ein Umden­ken! Wir for­dern mehr Prä­senz der Stimme der Jugend in der Öffent­lich­keit. Demo­kra­ti­sche Kul­tur lebt von Plu­ra­li­tät, von neuen Ideen und von unse­ren Hoff­nun­gen auf eine bes­sere, sozia­lere Welt. So wich­tig Exper­tise und Weis­heit für ver­nünf­tige Ent­schei­dun­gen sind, erst junge Impulse – unsere Impulse – geben den Par­la­men­ten die Kraft über das Bestehende hin­aus­zu­den­ken und nach vorn zu schauen. Der Wer­te­un­ter­schied zwi­schen Genera­tio­nen stärkt die Demo­kra­tie. Des­halb ist es wich­tig, jun­gen Men­schen zuzu­hö­ren. Wir sind der Motor des poli­ti­schen Sys­tems, wir trei­ben die inhalt­li­che Arbeit voran, wir sind die, die das größte Inter­esse an einer bes­se­ren Zukunft haben. Genau des­halb müs­sen mehr junge Men­schen in die Par­la­mente, in Vor­stände und Lei­tun­gen. Es ist Zeit für die Mit­wir­kung bei Grund­satz­ent­schei­dun­gen. Des­halb wol­len wir in der Kom­mu­nal­ord­nung Jugend­par­la­mente ver­an­kern und ihnen recht­lich die Ein­fluss­nahme durch Rede­bei­träge, Voten und Vetos und eigene Bud­gets ermög­li­chen. Wir wol­len auf Lan­des­ebene eine Jugend­kom­mis­sion des Land­ta­ges, die über ein Infor­ma­ti­ons­recht ver­fügt, wir wol­len auf Bun­des­ebene eine*n Jugendstaatssekretär*in und einen gewich­ti­gen Pos­ten in der euro­päi­schen Kommission.

Es ist unsere Zukunft, die man uns weg gestal­tet. Es ist unsere Gesell­schaft, die man mit Aus­teri­tät und Schul­den­bremse tro­cken legen will. Es ist unsere Welt, die man im Staub des Abend­lands erstickt. Lasst uns gemein­sam für eine soli­da­ri­sche Gesell­schaft strei­ten. Die Zeit ist jetzt für jung­so­zia­lis­ti­sche Politik!

Autoren: Marc Emme­rich und Oleg Shev­chenko, stellv. Lan­des­vor­sit­zende der Thü­rin­ger Jusos

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