#7 Rezen­sion für Dich und Mich
Buch­re­zen­sion zu „Farm der Tiere“ von George Orwell
von Maxi­mi­lian Rei­chel-Schind­ler, Kreis­vor­sit­zen­der der Jusos Ilm-Kreis

Wäh­rend des Beginns des „Corona-Lock­downs“ packte mich der Wille end­lich wie­der ein Buch zu lesen. Nur wel­ches? Ich bin immer wie­der über­for­dert mit dem gro­ßen Ange­bot von guter gesell­schafts­kri­ti­scher Lite­ra­tur. Des­halb bat ich nach Hilfe auf mei­nen Social Media-Kanälen.

Dank vie­ler Emp­feh­lun­gen ent­schied ich mich für das Buch „Farm der Tiere“ von George Orwell. Allein zu wis­sen, dass der Autor George Orwell hieß, über­zeugte mich, denn ich las sein Werk „1984“ bereits mit vol­ler Begeis­te­rung. Daher hatte ich hohe Erwar­tun­gen an die­ses Werk, aber ich kann euch jetzt schon ver­ra­ten, dass diese erfüllt wur­den sind.

Hin­sicht­lich des the­ma­ti­schen Hin­ter­grun­des hat George Orwell kei­nes­falls ein ein­fa­ches Buch geschrie­ben.  Die Tiere als Per­so­ni­fi­ka­tion machen es nicht immer leicht, die zwei Ebe­nen im Hin­ter­kopf bei­zu­be­hal­ten. Doch die Zwei­deu­tig­keit, wel­che mehr als deut­lich ist, es muss schon von Ein­deu­tig­keit gespro­chen wer­den, wird klar, wel­che Inten­tion Orwell damit hatte. Es ist die blanke Vor­füh­rung der Mani­pu­la­tion, wel­che durch die Hybris gestärkt wird, und schließ­lich in eine Gewalt­herr­schaft gip­felt. Wie ver­meint­li­che Befreier*innen und Held*innen nur das Gute für das All­ge­mein­wohl im Sinne hät­ten und den­noch das Ziel der Gewalt­herr­schaft bzw. Dik­ta­tur ver­folg­ten. Orwell zeigt die bit­tere Wahr­heit auf, wie schnell ein Gesell­schafts­wan­del von Stat­ten gehen kann. Es ist eine Para­bel, die nicht unbe­dingt zum Lachen anregt, son­dern viel mehr zum Nach­den­ken und bringt ver­mehrt ein grin­sen­des Kopf­schüt­teln über so man­ches naive Ver­hal­ten hervor.

Worum geht’s kurz­ge­sagt? Es gibt eine Revo­lu­tion auf dem Bau­ern­hof, Tiere haben die Men­schen ver­trie­ben und ihr Leben auf der Farm selbst orga­ni­siert. Zunächst scheint ein Leben ohne Unter­drü­ckung und Gewalt mög­lich zu sein. Doch schon bald über­neh­men die Schweine die Herr­schaft. Wäh­rend sie sich selbst immer grö­ßere Pri­vi­le­gien ein­räu­men, begin­nen sie, die ande­ren Tiere auf dem Hof zu tyrannisieren.

Ich finde es beson­ders geschickt von Orwell, dass er Tiere, wel­che uns allen aus der Kind­heit als etwas Harm­lo­ses bekannt sind, als Protagonist*innen nahm. Dies macht deut­lich, dass jedes Wesen zwei Gesich­ter besit­zen kann und gute Miene zum bösen Spiel macht.

Orwells Buch ist 1945 erschie­nen. Also zu einer Zeit, wo der Natio­na­lis­mus auf die wider­wär­tigste Art und Weise in Europa herrschte. Zu mei­ner Über­ra­schung nahm Orwell nicht dies zum Anlass sei­ner Para­bel, son­dern die Febru­ar­re­vo­lu­tion von 1917.  Hier erkämpfte sich das Volk die Herr­schaft und brachte den Zar abzu­dan­ken. Doch das Land blieb nicht lange frei von neuen Tyran­nen, die die Situa­tion aus­nutz­ten und eine neue Herr­schaft für sich auf­bau­ten. So Sta­lin es in Russ­land tat. „Die Grund­idee für die­ses Buch kam mir 1937 zum ers­ten Mal, doch die Nie­der­schrift erst gegen Ende 1943. Als es dann fer­tig war, lag auf der Hand, dass seine Ver­öf­fent­li­chung Schwie­rig­kei­ten berei­ten würde (trotz der augen­blick­li­chen Bücher­knapp­heit, die gewähr­leis­tet, dass sich alles, wor­auf die Beschrei­bung Buch passt, ver­kauft), und schließ­lich wurde es von vier Ver­le­gern abge­lehnt.“, so schrieb George Orwell in sei­nem Nach­wort über die Schwie­rig­keit seine unmiss­ver­ständ­li­che Para­bel zu publizieren.

Sein Wille und Mut zeig­ten, dass er für die anhal­tende Frei­heit kämpfte, obwohl das Ver­ei­nigte König­reich sich nicht auf dem Weg zu einer Dik­ta­tur befand, den­noch nicht für unmög­lich hielt auf lange Sicht. Aus die­sem Grund hat die­ses Buch eine gewisse Aktua­li­tät. Wir müs­sen jeden ein­zel­nen Tag für unsere Demo­kra­tie und Frei­heit kämp­fen und sie nicht als etwas Unzer­brech­li­ches betrach­ten. Es gibt genü­gend Men­schen, die sie unter­gra­ben und letzt­end­lich abschaf­fen wollen.

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