Ein Blogbeitrag zum ÖPNV von Maximilian Schröter (Landesvorsitzender Jusos Thüringen)

 

Mit dem 9-Euro-Ticket hat die Bundesregierung erstmals auch den ÖPNV in einer Krisensituation gestärkt. Fast könnte man meinen, die Verkehrswende geht jetzt endlich los. Aber Moment…

 

Die Realität, beispielsweise in Thüringen, sieht oftmals anders aus. Während das 9-Euro-Ticket in den kommenden drei Monaten vor allem Menschen in urbanen Gegenden und in den Städten hilft, haben Arbeitnehmer:innen, Familien oder junge Menschen aus ländlichen Regionen von diesem Angebot wahrscheinlich wenig.

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Dieses Ticket überhaupt zu schaffen, ist eine tolle Sache. Offensichtlich hilft es vielen Leuten und es öffnet Perspektiven für die Nutzung der Öffis. Nicht ohne Grund haben sich bereits 7 Mio. neue Kund:innen bis zum Start der Aktion ein solches Ticket besorgt. All das sind Menschen, die sich mal mehr mal weniger in den kommenden knapp 90 Tagen auf den Regionalverkehr mit Bus und Bahn einstellen, vielleicht sogar ihre Mobilitätsgewohnheiten daraufhin umstellen. Nur mit Angeboten wie diesen, kann ein Bewusstsein geschaffen werden, dass es auch ohne den motorisierten Individualverkehr gehen kann.

Aber genau hier ist der Knackpunkt: In vielen Regionen geht es bislang leider nicht ohne Auto – das ist die Realität im selbsterklärten Autoland Deutschland. Wer sich also guter Dinge ein 9-Euro-Ticket besorgt, merkt spätestens an der Haltestelle, dass es die ÖPNV-Verbindungen teils rar gesät sind. So werden viele Orte in Thüringen nur einmal pro Tag mit dem Bus angefahren. Zugverbindungen gibt es logischerweise noch seltener. Gerade hier wurden in den vergangenen Jahrzehnten einige Strecken stillgelegt bzw. abmontiert. Folglich stellt sich oftmals gar nicht die Frage, ob man auf den ÖPNV umsteigen kann – er ist schlicht kaum existent.

Anstatt lediglich für einen kurzen Zeitraum den ÖPNV stark zu verbilligen, muss endlich ein nachhaltiges Umsteuern in der Verkehrspolitik her, damit wir zu einer echten Verkehrswende kommen:

  • Daher brauch es dauerhaft deutlich gesteigerte finanzielle Mittel, um mehr Bus- und Bahn-Verbindungen anbieten zu können. ÖPNV darf nicht in der Stadt oder im städtischen Umland aufhören. Hierfür ist in allererster Linie der Bund mit der Aufstockung der Regionalisierungsmittel in der Pflicht.
  • Es geht selbstredend nicht darum, einfach nur mehr leere Busse durch das Land fahren zu lassen. Vielmehr gibt es bereits unzählige Ideen und Varianten, wie sich ein ÖPNV auch in bislang wenig befahrenen Strecken umsetzen lässt.
  • Auf der anderen Seite dürfen wir nicht am unterkomplexen Bedarfsprinzip festhalten. Natürlich fragt niemand den ÖPNV im Ist-Zustand nach, wenn der kaum nutzbar ist. Es gilt Angebote zu schaffen und die Bedarfe zu wecken.
  • Aber auf Dauer ist der ÖPNV auch viel zu teuer, um eine echte Alternative für Viele darzustellen. Wir brauchen das 365-Euro-Ticket und kostenlosen ÖPNV für Schüler:innen, Studis, Azubis und Freiwilligendienstleistende.
  • Nicht zuletzt ist der normale Tarifwahnsinn, der sich insbesondere in Thüringen antreffen lässt, ein Grund, auf Bus und Bahn lieber zu verzichten. Hier ist das Land in der Pflicht: Verdonnert die Verkehrsbetriebe endlich, einen einheitlichen Thüringer Verkehrsverbund zu gründen.

 

Die Betrachtung des ÖPNV und seiner Finanzierungsfrage ist damit natürlich nicht abschließend. Hier sind nur wenige Aspekte aufgeführt. Und die Debatte ist damit ohnehin nicht vorbei – wir müssen endlich fair und gerecht über die Kosten reden, die der Gesellschaft und damit uns allen durch die autozentrierte Mobilität entstehen. Erst dann kommen wir der Verkehrswende auch näher.

Dabei ist für uns Jusos klar: Mobilität ist ein Grundrecht. Als solches muss es endlich vom finanziellen Vorbehalt befreit werden. Und das geht am besten mit den Öffis. Nur diese können niemals wirtschaftlich aufgestellt werden – verabschieden wir uns also endlich von dieser neoliberalen Verblendung.

1 Kommentar
  1. Jonas Bordin sagte:

    Sehr richtig mit den Tarif Wirrwarr.es gibt die Saale- Orla Bahn, Die Erfurter Bahn und den vmt, um nur ein paar zu nennen

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