icon-bildung_09-gifMoment, was läuft gerade?

Fangen wir also ganz von vorn an. Für die Hochschulen in Thüringen gibt es gewisse Vorgaben vom zuständigen Ministerium, daran ist ein Teil der Finanzierung gebunden. An der TU Ilmenau (ja, das ist die Hochschule, an der nur 5,6% der Studierenden in Regelstudienzeit abschießen) soll diese Zahl z.B. erhöht werden, an anderen Hochschulen die Zahl der Studierenden, die ein Master-Studium aufnimmt und für Frauen*förderung gibt’s überall ein paar Vorgaben. Ganz individuell, je nachdem, wo das Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft noch Verbesserungspotentiale erkannt hat. Klingt doch eigentlich ganz gut, könnte man meinen. Und im Koalitionsvertrag steht ja auch was von demokratischen Beteiligungsprozessen.

Also alles super für die Studierenden?

Weit gefehlt. Die Rahmenvereinbarungen wurden mit den Hochschulleitungen hinter verschlossenen Türen ausgehandelt. Jetzt dürfen Senate und Hochschulräte der einzelnen Hochschulen noch mal ran zum Feintuning. Die Interessen der Studierenden bleiben mal wieder auf der Strecke. Beteiligungsversprechen hin oder her. Widersprüche der Studierenden im Senat können problemlos überstimmt werden, und wenn sich die Hochschulräte dann mal nicht wieder am Frankfurter Flughafen, sondern tatsächlich vor Ort treffen, dann hat die Stimme der Studierenden auch dort kaum Gewicht. Wohin sich die Hochschulen also in den nächsten Jahren entwickeln, das entscheiden wieder einmal andere.

Die werden das schon machen?

Sicherlich. Auch ich glaube, dass Minister und Staatssekretär die Interessen der Studierenden durchaus im Auge haben. Aber dazu muss man mit ihnen reden. Vereinbarungen sind schnell unterschrieben, denn die 10% der Gesamtfinanzierung, die daran gebunden sind, brauchen die Hochschulen schließlich.

Aber die Hochschulen bekommen doch in Thüringen schon einen Mittelaufwuchs von 4%, während in allen anderen Bundesländern die Mittelständig weiter gekürzt werden.

Klar, aber die 4% sind auch bitter nötig – die fangen nämlich lediglich die gestiegenen Personal- und Nebenkosten auf. Damit sind noch keine weiteren wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen eingestellt, die die Belegarbeiten zeitnah kontrollieren, damit kein ganzes Jahr auf die Note gewartet werden muss, noch gibt es ausreichend Dozent*innen, um allen, die einen Kurs besuchen müssen, auch einen Platz anbieten zu können. Nur einige der Ursachen für das unverschuldete Überschreiten der Regelstudienzeit oder den damit häufig verbundenen Verlust des Bafög-Anspruchs. Jeder einzelne Euro, der bei Nichterfüllung der Vereinbarungen hier verloren geht, fehlt zunächst in der Lehre – die generiert nämlich keine Drittmittel. Und die brauchen die Hochschule, um sich überhaupt auskömmlich finanzieren zu können. Für die Dozent*innen, die ihre Zeit – die in der Lehre viel sinnvoller genutzt wäre – in das Schreiben von Fördermittelanträgen stecken, um ihre Stelle weiter zu finanzieren. Den Kopf frei haben für Forschung und Lehre? Fehlanzeige! Mach das mal bei auf teilweise 3 Monate befristeten Verträgen. Übernimmt im Zweifelsfall eben jemand anderes kurzfristig die Übung…

Ja, wir brauchen Vorgaben, um die Studienbedingungen für alle nachhaltig zu verbessern. Und je genauer diese auf die jeweilige Situation der Hochschule eingehen, desto besser. Aber redet dafür doch bitte zuerst mit denen, die es auch betrifft. Die Studierenden sind nämlich jene, die am Ende dafür zahlen müssen – mit dem Verlust des Bafög-Anspruchs, wenn die Noten wieder Monate auf sich warten lassen; der damit einhergehenden Doppelbelastung von Job und Studium, schlechter werdenden Studienbedingungen oder ganz banal dem Anstieg des Semesterbeitrages. Gute Bildung an Hochschulen gibt’s nicht für lau – und erst recht nicht ohne die Beteiligung Aller.

Text von Kathrin Reinhardt. Sie studiert an der TU in Ilmenau und ist Mitglied in der Landeskoordination der Thüringer Juso-Hochschulgruppen.

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